Mercedes-Benz NextGenH2 Truck auf der Straße

Wir schaffen einen globalen Wasserstoff-Champion

31.03.2026 | Brennstoffzelle

Bei Daimler Truck verfolgen wir eine Doppel-Strategie zur Dekarbonisierung des Transports mit Batterien und Wasserstoff. Weil wir unseren Kunden so je nach Anwendungsfall die beste Lösung anbieten können. Weil das die Dekarbonisierung für unsere Industrie schneller und kosteneffizienter macht. Und weil das die langfristige Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz unseres Unternehmens stärkt – und die von Europa insgesamt. Jetzt wollen wir den nächsten großen Schritt beim Wasserstoff gehen – gemeinsam mit der Toyota Motor Corporation. Ein Artikel von Andreas Gorbach.

Am 31. März 2026 haben wir bekannt gegeben, dass der weltweit größte Automobilhersteller und Brennstoffzellenpionier Toyota beabsichtigt, in unser Brennstoffzellen Joint Venture cellcentric einzusteigen – als gleichberechtigter Anteilseigner neben Daimler Truck und der Volvo Group. Uns verbindet die gemeinsame Vision einer Wasserstoffgesellschaft – und die klare Überzeugung, dass wasserstoffbetriebene Nutzfahrzeuge ein zentraler Bestandteil dafür sind. Daher wollen wir cellcentric zur ersten Adresse für Brennstoffzellentechnologie im Nutzfahrzeugbereich weltweit machen. Der Einstieg von Toyota würde dabei drei wesentliche Vorteile bringen:

 

Drei wesentliche Vorteile:

ENTWICKLUNG STÄRKEN: Toyotas 30 jährige Erfahrung in Brennstoffzellenentwicklung und Produktionstechnologie würde die Wettbewerbsfähigkeit von cellcentric weiter steigern. Gleichzeitig bleibt cellcentric das Kompetenzzentrum für die Entwicklung, Produktion und Vermarktung von Brennstoffzellensystemen für den schweren Straßengüterverkehr und vergleichbare Anwendungen.
SCHNELLER SKALIEREN: Für den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft ist entscheidend, dass wir den Kipppunkt erreichen, ab dem Initiativen entlang der gesamten Wertschöpfungskette skalieren. Dorthin zu kommen ist der schwierigste Teil der Aufgabe – und wir können ihn am besten mit starken Partnern meistern. Gemeinsam mit Toyota könnten wir Wasserstofftechnologie deutlich schneller skalieren.
WASSERSTOFF-ÖKOSYSTEM AUFBAUEN: Wenn Unternehmen ihre Kräfte bündeln, ist das immer ein starkes Signal an Kunden, Zulieferer und weitere Akteure im Ökosystem. Gemeinsam hätten wir eine starke Stimme, um den Aufbau von Wasserstoffversorgung und infrastruktur aktiv zu unterstützen – von Elektrolyse und Verflüssigung über Transport bis hin zu Wasserstofftankstellen.
Mercedes-Benz NextGenH2 Truck auf der Landstraße

Warum Wasserstoff entscheidend ist – für die Zukunft des Transports und für Europas Resilienz

Vorbehaltlich der finalen Zustimmung aller relevanten Parteien und Behörden, ist der Einstieg von Toyota bei cellcentric der nächste große Schritt bei der Umsetzung unserer DaimlerTruck Technologiestrategie und unserer gemeinsamen Vision einer Wasserstoffgesellschaft. Hier sind die Hauptgründe, warum Wasserstofffahrzeuge die perfekte Ergänzung zu batterieelektrischen Fahrzeugen sind:

Röntgenansicht des Brennstoffzellen‑Lkw‑Antriebsstrangs

Kunden

„Battery first“ (Batterien zuerst) ist und bleibt der richtige Ansatz und deckt viele Anwendungsfälle unserer Kunden ab. Doch bei Distanzen deutlich über 1.000 Kilometer, hohen Nutzlasten, energieintensiven Anwendungen wie Kühltransporten oder bei der nötigen Flexibilität für anspruchsvolle Routen ist Wasserstoff die bessere Lösung für unsere Kunden. Mit unserem Mercedes‑Benz GenH2 Truck haben wir schon mehr als 225.000 Kilometer in realen Kundenerprobungen zurückgelegt – das Feedback ist sehr positiv und die nächste Testphase läuft bereits.

Infrastruktur

Auch in Sachen Infrastruktur ist „Battery first“ der richtige Ansatz, da batterieelektrische Fahrzeuge auf dem bestehenden Stromnetz aufbauen. Doch das gleichzeitige Laden von nur zehn Fernverkehrs‑Lkw an einer Raststätte innerhalb von 45 Minuten braucht rund zehn Megawatt Leistung – etwa so viel wie eine Kleinstadt. Das bestehende Stromnetz stößt also schnell an seine Grenzen. Die gute Nachricht: Der parallele Aufbau von Strom‑ und Wasserstoffinfrastruktur ist für unsere Industrie schneller und kosteneffizienter. Das gilt nicht für die ersten Ladesäulen – aber sobald (und das ist bald) das Netz sein Limit erreicht, wird ein alleiniger Netzausbau in diesem Umfang deutlich langsamer und teurer. Aber wir sehen schon erste positive Entwicklungen: Ich habe mich vor Kurzem selbst davon überzeugt, mit welcher Geschwindigkeit z.B. in Saudi‑Arabien aktuell Elektrolyseanlagen für Wasserstoff gebaut werden. Ein weiteres Beispiel ist die Ankündigung des Bundesverkehrsministeriums, 220 Millionen Euro für H₂‑Tankstellen und Fahrzeuge bereitzustellen.

Mercedes-Benz NextGenH2 Truck steht an einer Wasserstoff-Tankstelle
Anzeige an einer Wasserstoff-Tankstelle

Energie

Europa importiert heute mehr als 50 Prozent seiner Primärenergie in Form von Kohle, Öl und Gas. Jüngste geopolitische Ereignisse zeigen uns wieder einmal die Unsicherheit dieser Energiequellen – unabhängig vom Klimawandel. Wasserstoff kann die Verfügbarkeit global handelbarer, erneuerbarer und geradezu unerschöpflicher Energie erhöhen und somit das Energiesystem entlasten und seine Resilienz stärken. Die Produktion kann in sonnen‑ und windreichen Regionen gebündelt werden. Und sobald der Wasserstoffpreis auf rund fünf Euro pro Kilogramm sinkt, wird der Betrieb für unsere Kunden wirtschaftlich attraktiv. China beispielsweise strebt bereits einen Wasserstoffpreis von rund drei Euro pro Kilogramm an.

Wettbewerbsfähigkeit

Wasserstoff bietet unserem Unternehmen, aber auch Deutschland und Europa insgesamt, eine historische Chance. Dank unserer industriellen Basis, technologischen Kompetenz und Fertigungskapazitäten sind wir derzeit weltweit führend in der Wasserstoff‑ und Brennstoffzellentechnologie. Mit Toyota an Bord könnten wir cellcentric zur ersten Adresse für Brennstoffzellentechnologie im Nutzfahrzeugbereich weltweit machen. Das stärkt auch die wirtschaftliche Resilienz Europas, indem neue Märkte für europäische Unternehmen erschlossen werden und Wertschöpfung für langfristig differenzierende Schlüsseltechnologien gesichert wird – im Einklang mit den laufenden Diskussionen zum „Industry Accelerator Act“. Gleichzeitig reduziert Wasserstoff geopolitische Abhängigkeiten, da die für Brennstoffzellen benötigten Materialien weitgehend in Europa verfügbar und recyclebar sind.

Ein Mitarbeiter arbeitet an einem Motor

Der nächste große Schritt

Batterieelektrische Lkw sind seit Jahren in Serienproduktion. 2025 war Mercedes‑Benz Trucks in Europa Marktführer für mittlere und schwere E-Lkw mit einem Marktanteil von über 35 Prozent. Wie bereits gesagt: Battery first ist der richtige Ansatz. Doch mit Blick auf die nahe Zukunft wird Battery only nicht ausreichen.

Mit unseren Wasserstoffaktivitäten setzen wir die zweite Säule unserer Doppel‑Strategie um. Und das tun wir mit unserer strategischen Maßgabe „Speed of Right“ – also in genau der Geschwindigkeit, in der unsere Kunden die passenden emissionsfreien Technologien brauchen, um ihre anspruchsvollen Aufgaben für Wirtschaft und Gesellschaft erledigen zu können. Und indem wir sicherstellen, dass wir das richtige Produktportfolio haben, um auch künftig wettbewerbsfähig zu bleiben.

Gemeinsam mit der Volvo Group und Toyota können wir das volle Potenzial der Brennstoffzellentechnologie für Nutzfahrzeuge abrufen – „made in Europe“!

Über den Autor

Dr. Andreas Gorbach ist Vorstandsmitglied der Daimler Truck AG, verantwortlich für Truck Technology. Gorbach war vor seiner aktuellen Position CEO des Brennstoffzellen-Joint Ventures cellcentric der Daimler Truck AG und der Volvo Group. Zuvor leitete er das Produktmanagement für die globalen Motoren- und Achsgenerationen bei Daimler Truck. Zudem verantwortete er dort im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie des Unternehmens die Themen Klimaschutz und Luftqualität.

Gorbach begann seine Karriere bei Daimler Truck 2005 in der Antriebsstrangentwicklung. In den folgenden Jahren übernahm er dort verschiedene Führungspositionen, darunter die Entwicklungsleitung für die globalen Motorenplattformen.