Politischer Rahmen

Wir brauchen einen intensiven Austausch zwischen Politik, Energieunternehmen, Verbänden und Herstellern – denn wir alle sind jetzt gefordert, damit der CO2-neutrale Transport der Zukunft ein Erfolg wird.

Für einen lokal CO2-neutralen Transport braucht es neben der richtigen Fahrzeugtechnologie auch Infrastruktur und Wirtschaftlichkeit. Sonst können unsere Kunden CO2-neutrale Lkw und Busse nicht nutzen und damit kein Geld verdienen – und kaufen diese Fahrzeuge auch nicht.

Diese drei Faktoren sind miteinander verbunden wie bei einer Multiplikationsaufgabe in der Mathematik. Wenn ein Faktor null ist, ist das ganze Ergebnis null – ganz egal, wie stark die anderen Faktoren ausfallen.

Dass alle drei Faktoren vorhanden sein müssen, darf allerdings nicht zu einem Henne-Ei-Problem führen, bei dem Hersteller, Energieunternehmen und Politik abwarten, bis die jeweils anderen ihre Hausaufgaben gemacht haben. Ganz im Gegenteil: Wir müssen alle drei Faktoren gleichzeitig angehen – und zwar jetzt. Jeder Faktor braucht Zeit und wir haben keine Zeit zu verlieren. Mit unserer im Mai 2021 verkündeten geplanten Zusammenarbeit mit Shell liefern wir als zwei große Branchenvertreter die Antwort auf die Frage, ob Infrastruktur oder Fahrzeuge zuerst kommen sollten – beides muss Hand in Hand gehen.

  • Fahrzeugtechnologie
    • Die richtigen lokal CO2-neutralen Fahrzeuge anzubieten, ist die ureigene Aufgabe von Herstellern wie Daimler Truck. Und dieser Aufgabe haben wir uns auch verschrieben.
    • Wir setzen auf Batterie und Brennstoffzelle und haben hier schon ganz konkrete Modelle auf dem Markt oder in der Entwicklung.
    • Wir investieren ganz erhebliche Mittel und sehen Nullemissionsfahrzeuge als besten Weg, um – abgesehen von CO2 – auch die Luftqualität weiter zu verbessern.
    • Heißt konkret: Die Politik sollte auf eine zusätzliche teure Euro-7-Regulierung verzichten, zumal scharfe NOx-Grenzwerte (durch Vorheizen für die Abgasnachbehandlung) zu zusätzlichen CO2-Emissionen führen würden.
  • Infrastruktur
    • Der Aufbau einer Infrastruktur, wie sie für Batterie und Brennstoffzelle notwendig ist, ist primär die Aufgabe von Energieunternehmen.
    • Diese Aufgabe ist derart gewaltig, dass die Politik hier unterstützen sollte.
    • Wir sollten uns deshalb keine zusätzlichen Technologien wie LNG/Erdgas und Oberleitung leisten, denn das sind teure Sackgassen.
    • Was den Wasserstoff betrifft, so kommt hier nur grüner Wasserstoff infrage. Mit grauem Wasserstoff können wir das Ziel einer CO2-neutralen Wirtschaft nicht erreichen. Natürlich könnte blauer Wasserstoff während der Anfangsphase – vielleicht bis oder um 2030 – eine bezahlbare und umweltfreundliche Lösung sein.
    • Wir sehen zudem klare Vorteile bei flüssigem Wasserstoff, können technisch aber auch mit gasförmigen Wasserstoff arbeiten.
  • Wirtschaftlichkeit
    • CO2-neutrale Lkw und Busse sind heute und bis auf absehbare Zeit deutlich teurer als konventionelle Fahrzeuge und wären somit heute nicht wettbewerbsfähig.
    • Trotz aller Bemühungen auf Herstellerseite wird das noch auf Jahre hinaus so bleiben, wenn die Politik nicht gegensteuert.
    • Es bedarf daher gleicher Wettbewerbsbedingungen gegenüber Diesel-Lkw, die durch die Einführung einer CO2-basierten Maut und - nicht oder! - kontinuierlich steigende CO2-Steuern auf Diesel hergestellt werden könnten. Während der Anfangsphase wird definitiv auch ein Subventionsprogramm für den Erwerb CO2-neutraler Lkw benötigt.